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Rushhour

Es ist 17.55 Uhr. Türken im lässigen Rapper-Outfit säumen den Straßenrand der winzigen Sackgasse im Irgendwo in Kiel, . "Wie bin ich hier nur gelandet?", geht es mir durch den Kopf.

Nachdem ich um 4.00 Uhr morgens aufgestanden bin, einen schweißtreibenden Dienst hinter mich gebracht habe, meine dritte Tochter am einen Ende von Kiel besucht und meine hoch fiebernde, vierte Tochter am anderen Ende von Kiel eingesammelt und zum Arzt quer durch die Kieler Innenstadt chauffiert habe, weist mir ein netter, südländischer Herr den Weg zu einer nahe gelegenen Apotheke. Der anstrengende Tag legt sich auf meine Knochen, auf meinen Geist und erst recht auf meine Konzentration.

Suchend scanne ich die Gegend ab, fahre im Schritttempo an besagten Türken im Gangsterrapper-Outfit vorbei und denke: "Hier, in diesem abgelegenen Winkel soll eine Apotheke sein?", als ich plötzlich ein undefinierbares Kratzen vernehme. Die seelisch und gesundheitlich angeschlagene Tochter neben mir ruft aufgeregt: "Mama, du hast einen Spiegel mitgenommen!" Ich falle innerlich zusammen, sehe vor meinem geistigen Auge die Dämmerung aufziehen, meine kranke Tochter und mich, Seite an Seite mit ein paar türkischen Rowdies auf die Polizei warten.

Ich bremse, während Esthi in einem erbarmungswürdigen Zustand, fiebernd und mit rot geweinten Augen aus dem runtergekurbelten Fenster, direkt in die Augen der vermeintlich Halbstarken schaut. Einer von ihnen erlangt als erster seine Fassung zurück: "Ej, is nich schlimm, fahrt einfach weiter!" Ein anderer ergänzt, nach einer kurzen Inspektion des scheinbar unversehrten Spiegels: "Das Auto gehört eh meiner Freundin!" und grinst. "Fahrt einfach schnell weiter!", meldet sich der andere erneut zu Wort. Ich kann mein Glück nicht fassen, wühle in meinem Portemonnaie nach Bargeld und fische den einzigen Schein heraus, den ich besitze, einen Zehn-Euro-Geldschein. Wie lächerlich und doch drücke ich ihn dem Freund der Autobesitzerin in die Hand und entschuldige mich für die Umstände und die karge Entlohnung. Ich starte. Lässig winkt uns ein Trupp cooler Türken hinterher und ruft: "Ej, wenn ihr Mal einen Anschluss von der Telekom braucht, wir machen das!"

Wie benommen jongliere ich das Auto aus der verwinkelten Gasse, unter beobachtenden Blicken von ein paar fröhlich winkenden Türken. Als ich mich in Kiels Rushhour- Verkehr fädele, schicke ich ein DANKE gen Himmel, denn ich bin mir sicher, dass der Allerhöchste seine Hände im Spiel und ein Einsehen mit meiner lädierten Tochter und mir hatte.